Eine Reise in die Vergangenheit wirft Licht auf die Schatten
Jedes Ereignis in unserem Leben hinterlässt seine Spuren. Der wunderschöne Sonnenuntergang in den letzten Ferien lässt noch einmal die ganze Palette der guten Gefühle Revue passieren. Jene Ballonfahrt durch die Alpen lässt den Hauch der totalen Freiheit spüren während die bestandene Prüfung oder die Zusage für den neuen Job einen Energieschub geben.
Doch jede Münze hat zwei Seiten und wo Licht ist, ist auch Schatten. Vielleicht jenes Gefühl, auf der Stelle zu treten oder die unausgesprochene Wut darüber, ungerecht behandelt worden zu sein. Von anderen Menschen oder vom Leben.
Das wohl effizienteste Mittel um solche Lebens-Störefriede aufzuspüren und ins rechte Licht zu rücken ist eine virtuelle Reise in die eigenen Vergangenheit. Jeder Mensch, der bereit ist, sich auf das Abenteuer einzulassen kann reisen. Und kehrt oft mit einer Palette an Erkenntnissen zurück ind die Realität.
Realität der eigenen Zeitlinie
So individuell wie die Zeitlinie für jeden Menschen ist, so individuell ist seine Realität die er damit verknüpft. Für uns westliche "Denkernaturen" kann es hilfreich sein, plausible Erklärungen für alle die Dinge zu bekommen, die wir nicht anfassen und in eine Schubkarre bugsieren können.
So gesehen ist die eigene Zeitline ein gefühltes oder gesehenes geografisches Orientierungsmodell. Und je nach dem Glaubenssystem und dem eigenen Modell der Welt reisen Menschen vielleicht zu Ihren Ahnen oder in frühere Leben. Wohlverstanden - das, was bei diesen Reisen erlebt wird hat meistens nichts mit der realen Wirklichkeit zu tun. Vielmehr ist das, was sich da zeigt die eigene Realität von uns Menschen - so wie sie irgendeinmal von unserem Unterbewusstsein abgespeichert worden ist.
In unserer Vorstellung können wir ohne weiteres über unserer Zeitlinie schwebend sowohl in die Zukunft, wie auch in die Vergangenheit reisen. Diese Fähigkeit kommt uns zugute, wenn wir Probleme lösen wollen. Denn die Bewegung über die Zeitlinie hebt das Anliegen auf eine andere Ebene und ermöglicht so Lösungen. Sie erinnern sich an Albert Einstein's Erkenntnis: "Ein Problem lässt sich nicht auf derselben Ebene lösen, auf der es aufgetreten ist".
Das leuchtet ein, denn um einen platten Reifen zu wechseln müssen wir das Fahrzeug auch erst mal anheben.
Viele Auslöser von Dingen, die uns das Leben schwer machen haben ihren Ursprung weit zurück. In der Geschichte unserer Vorfahren oder irgendwo in einem "früheren Leben". Trotzdem greifen die Auswirkungen davon in unser Leben ein, denn in der langen Zeit haben sich oft Musterketten gebildet, die wir auf der "Festplatte unseres Lebens" als Startkapital mitbekommen haben. Und dann kommen noch alle die Dinge dazu, die wir mit eigenen Erfahrungen und Erlebnissen erworben haben.
Woran erkennen Sie Blockaden, die Ihnen das Leben schwer machen?
Beantworten Sie sich einfach ehrlich diese Fragen.
- Gibt es Momente in Ihrem Leben wo Sie das Gefühl haben, dass alle Energie aus Ihnen herausfliesst?
- Ist es Ihnen schon passiert, dass Sie statt Ihre Ferien voll auszukosten erst mal ein paar Tage krank waren?
- Kennen Sie das: Sie arbeiten mit Lust und Freude wie ein Pferd - doch je mehr Sie arbeiten desto schneller rennt der "grüne Zweig" fort?
- Nehmen Sie wahr, dass Sie sich selber "auf dem Schlauch" stehen?
- Gibt es Situationen, in denen Sie derart heftig reagieren, dass Sie sich selber nicht mehr kennen?
- Geraten Sie immer wieder an Leute mit den gleichen Mustern, die Sie gar nicht wollen?
- Gibt es Menschen, denen Sie nicht verzeihen können und sie etwas nachtragen (im wahrsten Sinne des Wortes "tragen")?
- Vergraulen Sie immer mal wieder wichtige Menschen - Kunden oder Freunde - weil irgend ein innerer Teufel über Sie regiert?
- Denken Sie, dass es ganz normal ist, dass "man" halt Bürden zu tragen hat und dass es ja nicht sein kann, dass Sie einfach ein glückliches und interessantes Leben führen?
Haben Sie auf eine oder mehrere Fragen mit Ja geantwortet? Dann ist es gut möglich, dass eine Blockade da ist, die nicht von irgendwelchen äusseren Umständen verursacht wird. Sondern die ihren Sitz tief in der Welt Ihrer Seele hat.
Das Stressometer-Experiment
Stellen Sie sich vor, Sie hätten jetzt grad eine Art übergrossen Barometer. Mit einer Skala von 1 bis 10.
1 bedeutet ein neutrales Gefühl, 10 heisst Supergau an schlechten Gefühlen oder gar Schmerzen.
Klappts? Ist ja vorerst nur eine Messeinrichtung.
Nun denken Sie mal für einen Moment an irgendetwas richtig ätzendes, was Sie erlebt haben. Schliessen Sie dazu die Augen und ich garantiere Ihnen, Sie werden ganz intensive Gefühle und Reaktionen erleben.
Kommt Ihnen der Verkäufer in den Sinn, der Sie über den Tisch gezogen hat oder der Kunde, der jeden Tag eine neue Ausrede statt Bargeld serviert? Nehmen Sie einfach irgendeine Begebenheit, bei deren Erinnerung die Zornesader anschwillt oder... Fluchen Sie, wenn Ihnen danach ist oder weinen Sie - einfach die Situation ganz real erleben.
Genau. Und wo genau haben Sie was in Ihrem Körper gespürt? Eine Antwort wie: "Na ja, mir ist richtig unwohl" gilt nicht. Wo genau haben Sie was genau gespürt?
Ein Stechen in der Brust? Dann schauen Sie auf den Stressmeter. Wie hoch ist er in Ihrer Vorstellung geschnellt (Tipp: Der erste Gedanke ist der richtige Messwert)?
Ein Würgen in der Kehle? Wie hoch geht der Stressometer?
Und vielleicht fragen Sie sich nach diesem Experiment: "Können solche heftigen Reaktionen einfach weggeputzt werden? Schliesslich lässt mich ja mein Kunde immer noch hängen und denkt nicht im Traum daran, endlich zu zahlen..."
Nun, es ist eine Tatsache, dass Sie keinen anderen Menschen ändern können. Veränderungen können Sie nur bei sich selbst anschubsen. Und sobald Sie sich und Ihre Einstellung ins Positive drehen, verändern Sie die Resonanz zu Ihrem Umfeld und den Ereignissen.
Das System wird zwingend auf diese neue Schwingung reagieren und die Spreu trennt sich vom Weizen.
Entdecken Sie Ihre eigene Zeitlinie
Ich lade Sie ein, etwas weiter zu experimentieren und so zu entdecken, wo Ihre Zeitline geografisch durchgeht.
Schliessen Sie für einen Moment die Augen und stellen Sie sich vor, wie Sie gestern Abend die Zähne geputzt haben.
Woher kam das Bild geflogen, bevor es vor Ihrem inneren Auge stehengeblieben ist? Von links oder rechts, vorne oder hinten oder...?
Schliessen Sie wieder die Augen und stellen Sie sich jetzt vor, wie Sie sich vor einer Woche am Abend die Zähne geputzt haben. Dann vor einem Monat und vor zwei Monaten.
Woher kommen diese Bilder geflogen?
Skizzieren Sie das bitte auf einem Blatt Papier.
Jetzt wieder Augen zu und stellen Sie sich vor, wie Sie sich heute abend die Zähne putzen werden. Dann heute in einer Woche am Abend, in einem Monat und in zwei Monaten..
Skizzieren Sie nun auch diese Linie und fügen Sie die Skizzen zusammen.
Jetzt haben Sie einen Überblick darüber, wo und wie Ihr Unterbewusstsein die Ihre Vergangenheit und Ihre Zukunft speichert.
Es kann ganz gut sein, dass geometrische Figuren wie Kringel, Kurven, Spiralen und mehr entstehen.
Dieses Experiment haben schon hunderte Menschen gemacht. Es zeigt sich bei der Mehrheit der Probanden, dass die Vergangenheit irgendwo links angesiedelt ist. Meistens so, dass sie grad noch aus dem Augenwinkel sichtbar ist.
Viele Menschen erleben die Linie der Zukunft irgendwo schräg vorne rechts.
Schauen Sie jetzt mal mit geschlossenen Augen Ihre Zeitline an. Möglicherweise ist sie einfach eine farbige Linie, sie kann sich auch wie aneinandergereihte Bilder, Video-Kassetten, DVD oder Bücher zeigen.
Auf dieser Zeitlinie hat Ihr Bewusstsein alles das abgelegt, woran Sie sich erinnern. Und Ihr Unterbewusstsein hat auf dieser Linie alles weggepackt, was auch gewesen ist und an das Sie sich jetzt grad nicht erinnern können.
Nun kann die Reise losgehen
Jede Erinnerung an etwas Vergangenes ist in sich schon eine kleine Zeitreise. Ob eine solche Erinnerung für Sie gut oder anders ist, spüren Sie meistens sofort wenn Sie intensiv ein Ereignis in der Vergangenheit erinnern oder sich vorstellen, dass demnächst etwas auf Sie zukommt - zum Beipiel eine Prüfung.
Je nachdem wie Ihre Reaktion ausfällt können Sie erahnen, dass das Ereignis, das Ihnen grad präsent ist positiv oder anders besetzt ist. Solche Reaktionen können Freude, Energie, Zorn, Wut, Trauer und andere sein.
Bei einer geführten Zeitreise (wenns in die Vergangenheit geht heisst das in der Fachsprache "Regression") ermitteln wir mit verschiedenen Werkzeugen (System-Arbeit und mehr) einen ersten Zielpunkt. Dieser wird auf Ihrer Zeitlinie durch ein mit Ihrem Thema verknüpften Ereignis markiert, bei dessen Erinnerung Sie Emotionen zeigen.
Nun werden Sie in eine leichte Trance gehen und zu diesem Punkt zurückreisen. Die Situation, in die Sie gehen werden wir ausführlich beleuchten.
Nun lassen sich die realen Fakten der Situation in der Vergangenheit nicht einfach verändern - schliesslich hat das Ereignis ja stattgefunden. Was Sie verändern können ist die Bewertung dieser Fakten durch Ihr Unterbewusstsein.
Damit das möglich wird, fügen wir hier einen Zwischenschritt ein der es möglich macht, das Ereignis aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und zu spüren, wie sich die Emotionen verändern.
Dazu schaffen wir eine virtuelle Bühne, die sich etwa 1'000 Meter über dem Ereignis befindet. Sie schweben aus dem Ereignis auf diese Bühne und haben nun Gelegenheit, mit den Menschen zu sprechen, die mitbeteiligt sind. Zum Beispiel den Lehrer oder die Eltern zu fragen, weshalb immer Sie den Kopf hinhalten mussten.

Oder mit dem Vorgesetzten zu klären, warum gerade Sie gemobbt werden.
Was genau auf dieser Bühne passiert, ist ganz Ihrem Unterbewusstsein überlassen.
Sie werden da in verschiedene Rollen schlüpfen und ganz schnell ist es selbstverständlich, dass Sie selber jede Rolle spielen und in jeder Rolle spüren, wie sich derjenige oder diejenige, die Sie gerade spielen, in dieser Situation fühlt.
Ist alles geklärt, reisen Sie zurück in dasselbe Ereignis auf der Zeitlinie und stellen mit dem Stressometer fest, was für körperliche reaktionen Sie noch zeigen.
Sind noch Symptome da, so geht die Reise Ereignis um Ereignis weiter zurück bis die Symptome völlig aufgelöst sind. Danach reisen Sie zurück in die Gegenwart und erleben aller dieser Ereignisse nochmals. Bleiben Sie dabei völlig entspannt, so ist das Thema erledigt.
Geht es um ein reales Thema - zum Beispiel Prüfungsangst - so reisen wir ein Stück in die Zukunft und Sie testen, wie es sich anfühlt, wenn Sie in die nächste Prüfung steigen.
Bleiben Sie auch dabei entspannt, ist Ihre Reise erfolgreich zu Ende.
Manchmal ist ganz einfach Veränderung angesagt
Es kann auch vorkommen, dass während der Reise eine Situation - zum Beispiel Mobbing - bereinigt wird und im realen Alltag dennoch weiter negativ wirkt.
Das ist meist ein Indiz dafür, dass aktiv Alternativen gefunden werden sollen. Vielleicht muss ganz einfach der Arbeitsplatz gewechselt werden und einige Male haben Klientinnen und Klienten erlebt, dass sie genau das im tiefen Inneren schon lange wissen jedoch aus irgendweinem Grund nicht ins Handeln gekommen sind.
Fahrt ins Blaue
Die stete Weiterentwicklung der Hypnose in den letzten Jahren hat die Zeitreisen auf eine neue und äusserst kreative Ebene gehoben. Mit dem Wissen um den Inhalt der Welt des Klienten und geeigneten Werkzeugen wie systemische Arbeit, Rollenspiel, Traumarbeit, EFT (Energiepunkt-Klopfen) und vielem können meine Klienten beispielsweise Ängste auflösen, Reichtums- und andere Blockaden finden und lösen, wiederkehrende unerwünschte Muster unterbrechen, psychosomatische Schmerzen entkoppeln, Lernstörungen therapieren, Ressourcen aus Träumen extrahieren und viele andere Dinge wieder ins Lot bringen. Alles, was mit Hypnose Arbeit möglich ist kann in eine Zeitreise integriert werden.
Die Urväter des Konzepts der Time-Line
Die Arbeit mit der Zeitlinie ist ein Konzept von Richard Bandler und John Grinder, den Designern des Modells von Neuro Linguistic Programming (NLP).
In deren Konzept "Walking the Time Line" geht der Klient über eine gedachte Zeitlinie auf dem Boden. Das soll ihm helfen, belastende Dinge in seinem Leben aufzuspüren und mit Hilfe vorhandener Ressourcen zu korrigieren.
1988 hat der amerikanische Hypno-Therapeut Tad James mit seinem Buch "Time Line Therapy" ein eigenes Konzept vorgestellt. Bei diesem Modell schwebt der Klient in Hypnose über seiner Zeitlinie und schafft so Raum zwischen sich und den belastenden Situationen (Dissoziation).
James hat bei seiner Arbeit mit der Time Line beobachtet, dass in bestimmten Positionen über der Zeitlinie starke Emotionen des Klienten im Zusammenhang mit seinem Problem einfach verschwinden. Dieser Effekt ermöglicht es dem Klienten, auch heftige Traumata auflösen zu können ohne dass er sich durch die Qual der Erinnerungen selber in eine Therapie-Blockade (Stuck State) hineinmanövriert.
Die Theorie der Time Line beinhaltet auch die Annahme, dass alle Erinnerungen zu einem Thema in Form einer "Gestalt" aneinanderhängen. Hier ist der Einfluss von Fritz Pearls deutlich spürbar. Der Psychoanalytiker Pearls hat 1941 den Ansatz der Gestalt-Therapie geschaffen.
Dabei geht es im wesentlichen darum, dass der Klient seine Wahrnehmung und sein Bewusstsein verfeinert um seine Kontaktstörungen zur Umwelt als solche zu erkennen und zu erleben. Über die Reaktivierung emotionaler Bedürfnisse und der Wahrnehmung derselben soll es dem Klienten ermöglicht werden, sich in positiver Weise mit seinem Umfeld auszutauschen.
Bandler und Grinder haben seine Strategien abgekupfert (modelliert) und in das Modell von NLP integriert, wodurch es auch zu einem Bestandteil der Time Line Arbeit geworden ist.
Sowohl Richard Bandler wie auch Tad James erheben den Anspruch, die Erfinder des Time Line Konzepts zu sein.
Soweit hört sich das ganz gut an. Der Haken dabei ist, dass Tad James die Haltung eingenommen hat, dass der Therapeut oder Coach den Klienten lediglich sauber durch den Prozess führen muss ohne zu wissen, was der Klient in diesem Prozess grad bearbeitet. Diese Denkweise ist ein fundamentales Prinzip von NLP: Der Coach hilft dem Klienten nur dabei, dass sich dieser auf seiner eigenen Landkarte besser zurechtfindet.
Herzlichen Dank an Peter Kleylein und Nany Zimmermann dafür, dass ich die Time Line Beschreibung mit ihren Illustrationen schmücken darf.